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Gemeinsamer Besuch des Vernichtungslagers Auschwitz mit einer deutsch-israelischen Schülerdelegation

 

Auf eine sehr besondere Reise begab sich eine Gruppe bestehend aus Schülerinnen und Schüler der Geschwister-Scholl-Schule und des Alten Kurfürstlichen Gymnasiums Bensheims vom 9.-15. Februar 2026. Nachdem eine israelische Delegation bereits im letzten November Bensheim besucht hatte, folgte nun der zweite Teil des Programms: eine gemeinsame Woche in Krakau und der Besuch des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz. Nach einer turbulenten Anreise mit dem Flugzeug empfing die deutsche Reisegruppe unter der Leitung von Stefan Trier (GSS) und Andrea Klein (AKG) die israelische Delegation in der Unterkunft am Rande des jüdischen Viertels Kazimierz in Krakau. Das Hostel wurde in den kommenden Tagen zum Ausgangspunkt des umfangreichen Programms und schließlich auch zum Ort des kulturellen sowie persönlichen Austauschs zwischen den Schülerinnen und Schülern.

 

Als Partnerorganisation vor Ort leistete das Galicia Jewish Museum hervorragende Unterstützung. Unter anderem bereiteten die Museumsmitarbeiter die Schülerinnen und Schüler auf den wichtigsten Punkt der Reise, den Besuch der beiden Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz 1 (Mittwoch) und Auschwitz-Birkenau (Donnerstag), inhaltlich und emotional vor. Es wurden Erwartungshaltungen fixiert, die eine Basis für die gemeinsame Nachbereitung des Auschwitz-Besuchs bildeten. Auch die Wichtigkeit der Holocaust-Education vor dem Hintergrund der immer begrenzteren Möglichkeit des Austauschs mit Zeitzeugen und die Verhaltensregeln an einem so besonderen Ort wurden thematisiert: Im Zentrum des Besuches sollten die Geschichten der Menschen stehen, die dort gelitten haben und ermordet wurden.

 

 

Während der Besuch eines Konzentrationslagers immer besonders eindrücklich ist, ergab sich durch die besondere Zusammensetzung der Gruppe eine noch viel intensivere Auseinandersetzung mit der Thematik der Shoa. Nach den fachlich sehr guten Führungen durch die beiden Lager, bei denen den Jugendlichen die Folgen von Stigmatisierung, Ausgrenzung, Rassismus, Verfolgung und schließlich der Entmenschlichung in einem Mordsystem von industriellem Ausmaß besonders plastisch wurden, wurde von den israelischen Schülerinnen und Schülern eine Kerzenzeremonie abgehalten, um an die Ermordeten zu erinnern und sie zu ehren. Sechs Kerzen wurden entzündet für über sechs Millionen ermordete Jüdinnen und Juden. Ein israelischer Schüler las am Ende des Gleises, an dem so viele Menschen ihren kurzen oder längeren Weg in den Tod antreten mussten, einen Brief seiner Großmutter vor, die den Holocaust knapp überlebt hatte und nur diese wenigen Worte mit ihrer Familie teilen konnte. Die Stimmung in der Gruppe ließ sich an diesem Punkt schwer in Worte fassen. Die Führungen hatten emotional bereits ihre Spuren hinterlassen, doch die persönliche Geschichte ließ niemanden unberührt: Eine seltsame Mischung an Gefühlen wurde spürbar aus Trauer, Wut auf das Geschehene und der Unverständlichkeit, frei an einen Ort an- und auch wieder abreisen zu können, aus dem es vor knapp drei Generationen kein Entkommen gab.

 

In der Reflexion der vorangegangenen Tage innerhalb der Gruppe wurde deutlich, dass Vergeben und Versöhnen langwierige und anstrengende Prozesse sind. So gab es auch Stimmen israelischer Schüler, die zwar der aktuellen Generation keinen Vorwurf machten, aber auch ihre Probleme damit hatten, gemeinsam mit den Nachfahren der Täter an diesem Ort, dem Friedhof ihrer Vorfahren, zu sein. Die Möglichkeit, dass 81 Jahre nach der NS-Herrschaft deutsche und israelische Schülerinnen eine solche Fahrt antreten und Perspektiven ehrlich diskutieren sowie anschließend gemeinsam Shabbat feiern können und fröhliche Schneeballschlachten veranstalten, kann als großer Erfolg angesehen werden. Ausgelassene Feiern wie auch stille Momente intensiver Gespräche förderten jene Art von Nähe, die Verständigung erst möglich macht. Künftige gemeinsame Besuche einzelner Schüler in Israel und Deutschland sind schon verabredet.

 

Nur wenn wir aufeinander zugehen, werden wir „nie wieder“ gleichgültig sein und denen vertrauen, die leichte Lösungen für komplexe gesellschaftliche Themen versprechen. Die „Holocaust Education“ leistet ihren besonderen Beitrag dazu.

 

Hanno Teckenbrock

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