Altes Kurfürstliches Gymnasium Bensheim

Gymnasium mit altsprachlichem Zweig
Schule mit musikalischem Schwerpunkt
Partnerschule des Leistungssports

AKG PRIMA-KLIMA-TAG SCHAFFT BEWUSSTSEIN FÜR GLOBALE THEMEN / NACHHALTIGE IDEEN ENTWICKELN FÜR SCHULE UND ALLTAG

BENSHEIM. Ein Aktionstag für den Klimaschutz: Gut, aber zu kurz gedacht. Ein paar Stunden für ein reines Gewissen reichen nicht, um global etwas zu bewegen. Deshalb war der gestrige „Prima-Klima-Tag“ am Alten Kurfürstlichen Gymnasium ein konzertierter Impuls, der dauerhafte Konsequenzen haben soll: Ziel ist eine Veränderung im Denken und Handeln des Einzelnen durch eine vielperspektivische Sensibilisierung für klimarelevante Themen. 

Sämtliche Schüler haben mitgemacht, vom Fünftklässler bis zum Abiturient. „Das Anliegen ist zu wichtig, um nicht aktiv zu werden“, betont Schulleiterin Nicola Wölbern mit Bezug auf die „Fridays-for-Future“-Bewegung, die auch die Schulen im Kreis Bergstraße erfasst hat. Credo des AKG: Demos sind gut, aber konkretes Handeln ist besser.

Klimawandel und Klimaschutz
Einen ganzen Tag lang ging es darum, Wissen zu vermitteln und kreativ eigene Ideen zu entwickeln, die nachhaltig in den privaten und schulischen Alltag einfließen können und sollen. Eine Aktion, die auch zum aktuellen Schuljahresmotto „Neues wächst“ passe, so Nicola Wölbern weiter. Klimawandel und Klimaschutz, Energieverbrauch und Ernährung, Massentierhaltung und Recycling, Artenschutz und Waldsterben: Die Themen waren breit gefächert und reichten vom kleinen Upcycling-Projekt bis zu großen wissenschaftlichen Ansätzen.

Die Sextaner befassten sich spielerisch und kreativ mit dem Klima, bereiteten „klimafreundliches“ Essen zu und demonstrierten, wie man aus alten Tetrapacks und Papierresten schmucke Alltags- und Gebrauchsgegenstände herstellen kann: Stifthalter aus WC-Rollen, Geldbeutel aus Saftpackungen (mit originellem Deckel), Kunst aus Abfall. In den Klassenräumen wurde gemeinsam gewerkelt und gebastelt. „Wir haben aus Fliesen ein Schlüsselbrett hergestellt“, so eine Fünftklässlerin. Da wurden alte Vasen neu bemalt und persönliche Dinge von Zuhause in Teamarbeit auf Vordermann gebracht.

Sogar der Bergsträßer Anzeiger war Auslöser eines AKG-Projekts: „Odenwälder Wal strandet auf Menorca“ lautete ein Titel im BA vom 24. Oktober, in dem es um bemalte Steine ging, die man in der Natur auslegen beziehungsweise finden kann. Die 9. Sportklasse hat daraus eine eigene Variante gemacht: „Denksteine“ als kleine Mahnmale für den Klimaschutz. Die Objekte sollen – wie beim Vorbild – ausgelegt und nach dem Finden fotografiert und in einer eigenen Gruppe gepostet werden, wie Studienleiter und Kunstlehrer Hans-Jürgen Boysen-Stern mitteilt.

„Sieben Wochen ohne“ titelte ein anderes Projekt, bei dem es um die positiven Auswirkungen von Verzicht geht: auf Autofahren, Fleischessen, den Gebrauch von Einweggeschirr oder sonstigen Plastikprodukten. „Die Schüler sammeln Ideen, die in der Schulgemeinde umgesetzt werden können“, so Klassenlehrerin Esther Schmitt von der 7d. Bei diesem Öko-Fasten ging es darum, wie man den CO2-Fußabdruck verringern und dauerhaft etwas für das globale Gleichgewicht unternehmen kann. Auch hier zählten der Prozess-Charakter und eine kontinuierliche Veränderung der persönlichen Verhaltensweisen. „Viele denken, dass man als Einzelner nichts ausrichten kann. Aber das stimmt nicht“, so Esther Schmitt über die Dynamik des kollektiven Handels, wenn aus mehreren individuellen Aktionen eine Massenbewegung entsteht.

Thema Ernährung
Im AKG ging es um die Motivation zum Mitmachen und das Verstehen größerer Zusammenhänge. „Unsere Ernährung schadet dem Klima mehr als der Verkehr“, betonte Ulrike Vogt-Saggau in einer zehnten Jahrgangsstufe. Die Ernährungsexpertin mit Chemiestudium informierte in einem Workshop über die Treibhausgas-Emissionen durch landwirtschaftliche Flächennutzung und Massentierhaltung. Eine andere Schülergruppe besuchte den Schlachthof, weitere Exkursionen führten zur Biogas-Anlage des ZAKB und zum Lorscher „Unverpackt“-Laden. Es ging ins Frankfurter Senckenberg-Museum und in den Bensheimer Stadtwald. Auch Pflanzaktionen wurden durchgeführt.

Dass der Klimaschutz am AKG ausgerechnet am Reformationstag so groß behandelt wurde, war kein Zufall: Martin Luther hatte am 31. Oktober 1517 eine kirchliche Revolution ausgelöst und die politische Landkarte des damaligen Reiches nachhaltig verändert. Auch unter ökologischen Aspekten sei eine Erneuerungsbewegung – oder Reformation – dringend nötig, um die globale Situation zu verbessern, so Nicola Wölbern.

Die Schulleiterin freute sich auch darüber, dass das AKG als eine von sehr wenigen Schulen in Hessen das Umweltbildungsprojekt Geoscopia zu Gast hatte. Neben klassischen Bildungsangeboten konzentriert sich die Initiative aus Bochum auf die Einbindung von Satellitentechnologie bei Umwelt- und Klimaschutzthemen. So werden Klimaveränderungen für die Schüler live sichtbar und dadurch greifbarer gemacht. Aufbauend auf den aktuellen Erkenntnissen der Forschung, die kontinuierlich in die Projekte eingearbeitet werden, wird jungen Leuten ab der fünften Klasse der Weg von globalen Veränderungen zu eigenen Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt.

AKG als Vorreiter
Sowohl die Klima- als auch die Rohstoffexpedition können fächerübergreifend in den Schulalltag eingebunden werden, wie der Umweltpädagoge und Astronom Michael Geisler in Bensheim erläuterte. In Hessen sei man mit diesem Angebot bislang noch kaum unterwegs. Das AKG sei hier einer der Vorreiter. Die Schüler sahen den Klimawandel vom Weltraum aus einer besonderen Perspektive: Regenwald-Abholzung, Polkappenschmelze und der Anstieg des Meeresspiegels sind klar und deutlich erkennbar. „Schon Kleinigkeiten tragen dazu bei, diese Entwicklung zu bremsen“, betonte der Umweltpädagoge. Viele Schüler gaben gestern an, ab sofort mehr auf ihr Verhalten zu achten.

© Bergsträßer Anzeiger, Freitag, 01.11.2019, Autor:  Thomas Tritsch