Altes Kurfürstliches Gymnasium Bensheim

Gymnasium mit altsprachlichem Zweig
Schule mit musikalischem Schwerpunkt
Partnerschule des Leistungssports

AKG Career Nights mit 37 Referenten an zwei Tagen / Realistische Einblicke in Studium und Beruf

In der Oberstufe hat sie Physik abgewählt. Wenig später hat sie sich im Studium mit den höheren Sphären der Materie befasst. Außerdem wollte Katja Horneffer auch niemals zum Fernsehen. Irgendwas muss schief gelaufen sein, denn heute ist die promovierte Meteorologin eines der bekannten Gesichter der ZDF-Wetterredaktion.

Und sichtlich glücklich darüber, wie ihre Karriere verlaufen ist. Bei den „AKG Career Nights“ erzählte die Expertin am Donnerstag voller Pep und Leidenschaft von ihrem besonderen Beruf. „Ich war schon als Kind von Regenbögen, Hurricanes und anderen Phänomenen fasziniert.“ Heute beschäftigt sie sich mit Atmosphärenphysik und Klimaforschung. Und mit dem Wetter von morgen und übermorgen. Schönstes Kompliment: „Wenn jemand mir sagt, dass er oder sie durch meine Darstellung ein komplexes Wetterthema verstanden hat.“

Katja Horneffer war eine von 37 Referenten bei den diesjährigen Career Nights, bei der sich Schüler hautnah über Berufe und Arbeitsfelder informieren konnten. Diese Abende finden alle zwei Jahre statt. Referenten sind zumeist ehemalige Schülerinnen und Schüler des Alten Kurfürstlichen Gymnasiums.

Persönliche Einblicke

Anders als Werbeveranstaltungen von Hochschulen und Unternehmen bieten die Vorträge persönliche Einblicke in individuelle Karriere-Biografien und Gespräche im kleinen Kreis. Weil jeder Referent zweimal hintereinander präsentiert und die Veranstaltung an zwei Tagen stattfindet (auch am Freitag), hatten die Schüler ab Klasse neun jede Menge Input. Viele brachten Freunde mit. Auch Schüler aus anderen Bensheimer Schulen waren willkommen.

Für Katja Horneffer ist das Wetter kein Small-Talk-Thema. Deshalb reagiere sie auch alles andere als genervt, wenn sie einmal wieder auf der Straße angesprochen wird und eine Prognose herauslassen soll. Doch in der Wetterkunde geht es nicht um spontane Schnellschüsse, sondern um die geowissenschaftlich fundierte Untersuchung von chemischen Veränderungen in der Lufthülle, die anhand von komplexen Wettermodellen Hinweise auf die atmosphärische Entwicklung der nächsten Tage geben kann. Und weil das ein sehr dynamischer Prozess ist, hat man als Meteorologe selten geregelte Arbeitszeiten.

„Wetter gibt es immer“, so die Fachfrau, die seit 2007 in den „heute“-Nachrichten und dem „heute journal“ vor der Kamera steht. Und das vor einer sogenannten Green Box, auf die eine Wetterkarte projiziert wird. Deshalb dürfen die Moderatoren auch keine grüne Kleidung tragen. „Sonst wären wir an dieser Stelle durchsichtig.“ Im AKG hat sie modisch zwei TV-Tabus auf einmal demonstriert: grün und kleinkariert.

Ihr Spezialgebiet ist die synoptische Meteorologie, also die „Zusammenschau“ von Wetterphänomenen, deren Darstellung und Vorhersage. Dafür braucht sie ein System aus Beobachtungsstationen, die gleichzeitig Wetterbeobachtungen nach einem einheitlichen Verfahren durchführen. Dabei spielen Faktoren wie Luftdruck, Temperatur, Windrichtung, Windstärke, Wolkenart, Sichtweite, Niederschlagsmenge und vieles mehr eine wichtige Rolle. Die gesammelten Daten, also der Wetterzustand zu einem gegebenen Zeitpunkt, wird in Wetterkarten eingetragen. Katja Horneffers Aufgabe ist es unter anderem, die aktuelle Wetterlage zu analysieren und aufgrund der zurückliegenden Entwicklung eine Prognose zu erstellen sowie automatisch generierte Wettermodelle zu bewerten und zu modifizieren. Vor der Kamera muss sie ihre Ergebnisse in einer Minute und zehn Sekunden allgemein verständlich erklären.

Nur acht Meteorologen

Ein recht exotischer Job. Beim ZDF in Mainz gibt es 10 000 Mitarbeiter und acht Meteorologen. Immer mehr Frauen studieren das Fach, so Horneffer, die aus Göttingen stammt und in Bremen 1987 ihr Abitur gemacht hat. Weil die Seminare nicht gerade überfüllt seien, hätten Studenten große Chancen auf eine Stelle als wissenschaftliche Hilfskraft während des Studiums, das von viel Mathematik und Physik geprägt ist. „Man verdient Geld und wächst früh in die Materie hinein“, so die Referentin in Bensheim, wo sie auch verraten hat, welcher der beste Monat zum Heiraten sei: der September. Anders als der häufig gewählte Juni sei der September das Wetter betreffend erheblich stabiler und einigermaßen verlässlich mild. Im Juni hingegen drohe die sogenannte Schafskälte: eine saisonale meteorologische Witterungsspezialität, die in der Monatsmitte nicht selten zu Kälteeinbrüchen führt.

Um Karriereeinbrüchen vorzubeugen, rät die Wissenschaftlerin übrigens grundsätzlich zu einem Studium oder einer Ausbildung, die Spaß macht. Es gehe dabei vor allem darum, methodische Fähigkeiten zu lernen und mit Ausdauer ein bestimmtes Ziel zu verfolgen. So habe man die besten Chancen auf eine sonnige Zukunft ohne atmosphärische Tiefdruckgebiete. Egal, in welcher Branche.