Altes Kurfürstliches Gymnasium Bensheim

Gymnasium mit altsprachlichem Zweig
Schule mit musikalischem Schwerpunkt
Partnerschule des Leistungssports

Schulsanierung: Kreis investiert bis 2020 mehr als 22 Millionen Euro / Abriss des alten naturwissenschaftlichen Trakts vorerst vom Tisch

Bensheim.Wenn Visionen mit der Wirklichkeit kollidieren, müssen meistens harte Entscheidungen getroffen werden – so auch am Alten Kurfürstlichen Gymnasium (AKG). Dort sollte der bisherige naturwissenschaftliche Trakt eigentlich nach der Sanierung des Haupthauses abgerissen werden. Ein Neubau als Ersatz wurde vor einem Jahr bereits eingeweiht.

In der Vorstellung der Planer und der Schulgemeinde wäre nach dem Abbruch ein großzügiges Freigelände entstanden, der Blick auf das denkmalgeschützte Ensemble wäre von der Fehlheimer Straße aus unverbaut gewesen. „Es werden Freiräume sichtbar, die jetzt noch nicht zu erkennen sind“, erklärte Architekt Tom Nieper vor einem Jahr bei der Einweihung.

Funktionalität vor Schönheit

Auch Schulleiterin Nicola Wölbern sprach am Dienstag bei einem Rundgang mit Landrat Christian Engelhardt, der Landtagsabgeordneten Birgit Heitland und der CDU-Fraktion von der „Vision einer großzügigen Grünfläche mit Bäumen und Aufenthaltsmöglichkeiten“.

Ob allerdings tatsächlich die Abrissbagger wie vorgesehen im Jahr 2020 anrollen, darf momentan bezweifelt werden. „Schönheit hilft nichts, wenn die Funktionalität verloren geht. Ursprünglich wollten wir den Trakt abreißen, jetzt brauchen wir ihn aber“, erklärte Engelhardt. Hintergrund sind die Schülerzahlen am Traditionsgymnasium, die in den nächsten fünf Jahren wohl von aktuell 970 auf 1100 bis 1200 anwachsen könnten, prognostizierte Nicola Wölbern. Das hängt zum einen mit dem vollzogenen Wechsel von G 8 auf G 9 zusammen, aber auch mit der wieder steigenden Beliebtheit der Schule, „die ein sehr gutes Image hat“, so der Landrat.

Man müsse nun sehen, wie man das AKG auf die neuen Anforderungen vorbereiten könne und suche nach mittelfristigen Lösungen. Es sei eine Aufgabe, die man gerne angehe, es sei aber ebenso eine Herausforderung. Dass die Zahlen sich stark nach oben entwickeln, zeigt sich bereits zum neuen Schuljahr. Aus dem eigentlich vierzügig im Schulentwicklungsplan 2015 ausgewiesenen Gymnasium wird nun ein sechszügiges – macht unterm Strich 180 statt 120 Fünftklässler. Die Planungen von vor drei Jahren haben sich demnach längst überholt.

Neben diesen drängenden Zukunftsfragen befassen sich die Verantwortlichen im AKG und im Landratsamt aber auch intensiv mit der Gegenwart der Schule. Die Sanierung des denkmalgeschützten Hauptgebäudes liegt im Zeitplan und kommt gut voran. Im Dezember soll die erste Modernisierungsphase abgeschlossen sein, dann kommen das Lehrerhaus und der bisher unberührte Teil des weitläufigen Komplexes an die Reihe.

Das Lernen und Lehren auf einer Baustelle „ist nicht einfach, wenn die einen denkend arbeiten sollen, während die anderen Maschinen benutzen müssen“, bilanzierte die Direktorin. Es habe aber sehr gut funktioniert, für die Größe des Bauvorhabens sei alles sehr leise abgelaufen.

Wölbern geht davon aus, dass sich daran auch in den nächsten Monaten nichts ändern wird. Offiziell abgeschlossen sollen die umfangreichen Arbeiten im Jahr 2020 sein. Die nächste Klippe muss allerdings im Dezember genommen werden, wenn ein Bauabschnitt fertig und der nächste angegangen wird.

Bauprojektwoche im Winter

In der Praxis bedeutet das: Die Lehrer müssen aus ihrem Anbau in den alten NaWi-Trakt wechseln, die Schüler von der einen auf die andere Seite des Komplexes umziehen. Damit der Umzug reibungslos läuft, wird es erstmals in der Geschichte des Hauses eine Bauprojektwoche im Winter geben. Vom 3. bis 7. Dezember werden die Schüler in Absprache mit dem Schulelternbeirat ausquartiert. Danach geht der reguläre Unterricht weiter.

Organisations- und Improvisationstalent werden dabei ebenso gefragt sein wie gute Nerven. Misstöne ob der ungünstigen Rahmenbedingungen sind bei Nicola Wölbern aber nicht zu hören. Im AKG hat man sich mit den Bedingungen so gut es geht arrangiert und freut sich, in zwei Jahren ein neues Altes Kurfürstliches Gymnasium als Bildungsstätte in Betrieb nehmen zu können.

Die Veränderungen sind teilweise längst äußerlich sichtbar. Das Dach wird neu gedeckt, die Fassade bekommt einen farblichen Anstrich, der näher am Originalton ist, verbunden mit in Rot gehaltenen Gauben. Im Inneren wurde ebenfalls großzügig entkernt: Die Fußböden mussten raus, Elektrik und Abwasserrohre erneuert werden.

22,4 Millionen Euro werden nach Auskunft von Landrat Engelhardt letztlich ins AKG gesteckt – einschließlich des Trakts für die Naturwissenschaften, der mit 3,4 Millionen Euro zu Buche schlug. „Alles gut investiert. Der sanierte Altbau wird viel Flair ausstrahlen“, kommentierte die Schulleiterin am Dienstag.

Der naturwissenschaftliche Trakt des AKG sollte eigentlich abgerissen werden. Jetzt werden die Räumlichkeiten wohl gebraucht, weil die Schülerzahlen steigen. © Neu