Altes Kurfürstliches Gymnasium Bensheim

Gymnasium mit altsprachlichem Zweig
Schule mit musikalischem Schwerpunkt
Partnerschule des Leistungssports

Schülerinnen des Alten Kurfürstliches Gymnasiums berichten von ihren Erlebnissen im Corona-Schul-Alltag

Durch die Corona-Pandemie haben wir viele neue Sachen gelernt. Maske tragen, Abstand halten, Menschenmengen meiden. Wo vorher Trubel herrschte, war plötzlich Stille. Was wir noch gelernt haben, sind viele neue Wörter: Social Distancing, R-Wert, Positiv-Raten und vor allem „Homeschooling“. Unter diesem eingedeutschten Wort konnte man sich am Anfang nichts Konkretes vorstellen: Schule daheim? Ganz ohne Tafel und Lehrer? Wie sollte das gehen?

Wo zu Beginn noch unterhaltsame Wochen mit Arbeitsaufträgen per Mail und etwas seltsame „Zoom-Meetings“ standen, löste bald „Teams“ diese Formate ab – das Programm wurde allen Schülern kostenlos vom Alten Kurfürstlichen Gymnasium (AKG) zur Verfügung gestellt. Bald waren Online-Meetings an der Tagesordnung. Im Pyjama fanden daher Debatten über Deutsch-Hausaufgaben, den Mathe-Arbeitsauftrag oder den englischen Film statt. Schule zwischen Kühlschrank und Sofa hat sicherlich auch seinen Reiz. Doch seit dem Lockdown im Frühling hat sich viel verändert. Mit der neuen Situation kamen viele Herausforderungen auf uns zu. Daheim lernen bedeutet Disziplin, Selbstorganisation und vor allem einen schnellen Internetanschluss. Viele Schüler mussten schmerzlich lernen, dass in Videokonferenzen das Handy eine größere Verlockung mit sich bringt, als sie es sich eingestehen wollten – denn Surfen und Mitarbeiten gehen nicht Hand in Hand. Aber wir dürfen hier nicht vernachlässigen, was Homeschooling für Kinder aus einkommensschwächeren Familien bedeutet. Denn wie soll Homeschooling funktionieren, wenn man sich mit den Geschwistern einen Laptop teilen muss oder kein WLAN hat? Zum Glück kann man sich aber auf vielseitige Unterstützung von Lehrern und Mitschülern verlassen. Oft sind die Lehrer sehr verständnisvoll, sobald man die Situation erläutert und es gibt kreative Lösungen. Zum Beispiel, wenn plötzlich die Chemielehrerin vor der Tür steht und einem unterschiedlichste Utensilien für ein Experiment in die Hand drückt.

Auch wenn, unserer Erfahrung nach, jeder Schüler nachvollziehen kann, wieso der Lockdown wichtig war, dürfen wir nicht zulassen, dass diese Schüler zu den Vergessenen der Pandemie werden. Denn immer noch sind viele Schüler und Lehrer mit Homeschooling konfrontiert. Seit der Kreis Bergstraße das neue „Wechselmodell“ installiert hat, wird das eigene Zimmer wieder zum Klassensaal. Bei diesem Wechselmodell hat jeweils die Hälfte Präsenzunterricht, während die andere im Homeschooling ist.

Engagement ist ausschlaggebend

Was Homeschooling wirklich benötigt, ist Engagement. Übertragungen sind oft gekennzeichnet von schlechten Verbindungen, Kamera oder Mikrofon funktionieren abwechselnd nicht und der direkte Kontakt zu Mitschülern fehlt. Mündlich mitarbeiten von daheim ist schwerer als gedacht. Vor allem, wenn eine etwas verspätete und viel zu laute Antwort aus dem Off erschallt, und erstmal alle in Schockstarre verfallen.

Doch eigentlich ist es nicht die Aufgabe der Lehrer, sich um die WLAN-Verbindung in der Schule zu sorgen oder darum, ob auch jeder Schüler einen PC hat. Letztendlich ist es Aufgabe der Politik, sich um diese Belange zu kümmern. Und Unterricht mit der Hälfte der Schüler daheim kann auch gar nicht funktionieren, wenn in Schulen ein Drittel der Räume keinen Internetanschluss haben. Doch letztendlich geht es nicht nur um die Ausstattung. Oft vergessen werden auch die Lehrer, deren Ausbildung sie nicht auf Homeschooling vorbereitet hat.

Die Welt verändert sich, aber die Schule nur langsam. Während immer mehr digital stattfindet, sind in den Lehrstätten Kreidetafeln und Overheadprojektoren noch bis vor Kurzem an der Tagesordnung gewesen. Schulen sollten endlich digitaler werden, denn der richtige Ort, um einen verantwortungsvollen Umgang mit der virtuellen Welt zu lehren, ist die Schule.

Zusammenfassend sind wir sehr dankbar für das Engagement unserer Mitschüler und Lehrer, ohne die die präsenzfreie Zeit wesentlich schwieriger und problematischer wäre. Doch die Schulen brauchen Internet, die Schüler Endgeräte und die Lehrer eine Schulung. Es wird bereits viel getan, aber Schule daheim ist eben nicht vergleichbar mit Präsenzunterricht. Denn letztendlich ist Schule auch systemrelevant. Kim Lucy Endler, Paula Schule und Lisa Gesue, AKG Bensheim