Altes Kurfürstliches Gymnasium Bensheim

Gymnasium mit altsprachlichem Zweig
Schule mit musikalischem Schwerpunkt
Partnerschule des Leistungssports

Bensheim ist wahrscheinlich einer der wenigen Orte, wo des ehemaligen Erzbischofs und Kurfürsten von Mainz in besonders positiver Weise gedacht wird. Wegen ihm heißt unsere Schule Altes Kurfürstliches Gymnasium. Und sein Porträt schmückt die Wand vor dem Lehrerzimmer.

Anselm Franz von Ingelheim gilt unter Historikern als schwacher, eher reagierender als agierender Landesherr. Überhaupt war er nur der Kompromisskandidat für das Mainzer Bischofsamt. Seine Regierungszeit ab 1679 war geprägt von den Auseinandersetzungen mit Ludwig XIV., der als französischer König versuchte, sein Herrschaftsgebiet mindestens bis zum Rhein auszudehnen. Deswegen war das habsburgische Kaiserhaus bemüht, einen frankreichfreundlichen Kurfürsten in Mainz zu verhindern.

In die Amtszeit Anselms fällt – ein Jahr vor der Bensheimer Schulgründung – die Aufhebung des Ediktes von Nantes im Jahr 1685, wodurch den Hugenotten die Glaubensfreiheit genommen wurde. Außerdem forderte Ludwig XIV. die Wiederherstellung des Lehnsrechts in allen Gebieten, die einmal in einem Lehensverhältnis zum französischen König gestanden haben. Und davon gab es in der Pfalz und in den Gebieten am Rhein sehr viele.

In den Jahren 1688/89 wurden deswegen Baden und die Pfalz – z.B. Heidelberg – teilweise von französischen Truppen verwüstet, Mainz wurde von ihnen für ein Jahr besetzt. Anselm Franz von Ingelheim konnte das nicht verhindern. Viele Jahre seiner Amtszeit verbrachte er deshalb außerhalb seines Herrschaftsgebietes. Ab 1691 überließ er das Regieren einem Koadjutor und lebte zurückgezogen in Aschaffenburg. Dort starb er auch am 30. März 1695.

Seine Schulpolitik

Zu den wenigen positiv gewürdigten Leistungen des Kurfürsten und Erzbischofs Anselm Franz von Ingelheim gehört dessen Schulpolitik. Gelobt wird, dass seine Schulstatuten auch "den Winterschulbesuch für alle sechs- bis zwölfjährigen Kinder" vorsahen. Aber auch die Bensheimer Schulen erhielten in seiner Amtszeit 1686 eine neue Ordnung. Damit ist das Jahr genannt, das für die Feier unseres Jubiläums im Jahr 2011 maßgeblich war. Seit 1686 sind 325 Jahre vergangen. Das ist eine lange Zeitspanne.

Trotzdem ist sie vielen nicht lang genug. Immer wieder wird behauptet, das Bensheimer Gymnasium sei älter als 325 Jahre, Bensheim blicke auf eine weitaus längere Schulgeschichte zurück. Zu diesem Thema hat Peter Fleck schon 1987 in seinen "Beiträgen zur Geschichte des Bensheimer Schulwesens" alles Nötige gesagt. Er kam damals zu dem Schluss, "dass wegen der ausgesprochen ungünstigen Quellenlage kaum konkrete Aussagen möglich sind."

Nicht zuletzt durch die Erfindung des Buchdrucks, aber auch angestoßen durch die Reformation nahm das Bildungsbedürfnis im 16. Jahrhundert sprunghaft zu. So lässt sich auch in Bensheim eine Schule seit 1566 nachweisen, allerdings keine reine Lateinschule, sondern eine Stadtschule, an der der eine oder andere Schüler auch Latein lernen konnte. Fleck weist darauf hin, dass diese Konstruktion – der Schriftsteller Jean Paul spricht von einer "Schule in der Schule" – damals durchaus nicht ungewöhnlich war. Trotzdem könne man nicht von einer regelrechten Lateinschule sprechen. 

Nach 1546 erfasste die Reformation auch Bensheim, das damals zur Kurpfalz gehörte. Mit der Reformation wurden auch die Erlöse der Bensheimer Altarstiftungen einer neuen Bestimmung zugeführt: Sie dienten von nun an der Finanzierung des Schulwesens. Die nicht zuletzt durch diese Gelder ermöglichte Blüte des Bensheimer Schulwesens wurde "durch den Dreißigjährigen Krieg und die 1624 einsetzende Gegenreformation" beendet. 

Nach der militärischen Niederlage der Kurpfalz forderte das Bistum Mainz das Amt Starkenburg und damit Bensheim zurück. Dabei kam es zum Streit über die in der so genannten Heppenheimer Kollektur zusammengefassten frommen Stiftungen, die seit der Reformation von der weltlichen Obrigkeit kontrolliert und nach ihren Maßgaben ausgegeben wurden. Nun wurde gefordert, diese Heppenheimer Kollektur aufzuheben und die Stiftungen wieder ihren ursprünglichen frommen Zwecken zuzuführen. Dazu zählte durchaus auch das Unterrichten.

Die Gründung der Bensheimer Lateinschule

In dieser Auseinandersetzung hat sich besonders der Bensheimer Pfarrer und Dekan Bösen hervorgetan. Schon am 3. Oktober 1685 wurde Bösen "förmlich zum Direktor der neu zu gründenden Bensheimer Lateinschule ernannt." 

Die Grundlage für die im Jahre 1686 neu entstandene Lateinschule sowie für die ebenfalls neu gestaltete Stadtschule bildete die vom Mainzer Kurfürsten, dem Fürstbischof Anselm Franz von Ingelheim, erlassene Kirchen- und Schulordnung von 1686.

Demnach wurden "zwey Altaristen" – also zwei Geistliche, die aus Altarstiftungen, Benefizien, bezahlt wurden – als Lehrer für die Lateinschule bestimmt, während die Knaben- und Mädchenschule von einem "Schulmeister mit einem Baccalaureo und (einer) Schlumeisterin der Mägdlein" betrieben werden sollte.

Auch ein Schulgebäude mit zwei Unterrichtsräumen wird in der Schulordnung erwähnt. Damit kann erstmals von einer reinen Lateinschule in Bensheim gesprochen werden. Ein Gymnasium war diese Schule deswegen nicht, weil die beiden obersten Klassen, die Rhetorica und Philosophica, fehlten.

Über die Anzahl der Knaben, die die vier Klassen dieser Lateinschule – die Infima, Secunda, Syntaxis und Poetica – besucht haben, wird man sich heute verwundert die Augen reiben. So sollen 1731 zeitweise überhaupt keine Schüler die Lateinschule besucht haben. Im Jahr 1744 waren es dann insgesamt 15, 1781 17 Schüler. Sie wurden zu zwei Gruppen zusammengefasst. Für sie reichten die beiden Unterrichtsräume völlig aus.

(Matthias Gröbel)

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